Fidy vonne Ruhr
Bilder und Geschichten
aus dem Ruhrgebiet

Versorgung in den 1950er Jahren

Eine Erzählung aus Dortmund-Huckarde
Wer von meinen Lesern weiß eigentlich, daß Lebensmittel noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg knapp und rationiert waren und nur gegen 'Marken' abgegeben wurden? Erst im Mai 1950 wurde die Rationierung für Zucker als eine der letzten aufgehoben.
1951 war das Jahr, in dem unsere Familie nach dem Krieg endlich eine für damalige Verhältnisse ganz modern ausgestattete Neubau-Wohnung in der 'Eisheiligen-Siedlung' in Dortmund-Huckarde zugeteilt bekam. Es war ein Wunder, denn überall herrschte noch Wohnungsnot. Die zerstörten Städte im Revier waren nur zum Teil wieder aufgebaut und bewohnbar.

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Die Versorgung mit Lebensmitteln war nach der Währungsreform 1948 und Aufhebung der Lebensmittel-Rationierung im Jahre 1950 schon ausreichend, denn es gab im Umfeld von 1-2 km einige meist sehr kleine Einzelhandels-Geschäfte, die uns mit den benötigten Lebensmitteln versorgen konnten.
Die erlernte Sparsamkeit der Kriegs- und Nachkriegszeit wirkte immer noch nach. Man kaufte nach Bedarf und meistens in kleinen Mengen. Es gab noch keine Kühlschränke in den Wohnungen. 
Die Ware in den Geschäften war meist lose und wurde abgewogen und in Tüten verpackt. Typisch waren dreieckige meist braune Spitztüten aus kräftigem Papier. Öl wurde in Messzylinder gepumpt und von dort aus in mitgebrachte Ölflaschen abgefüllt. Milch wurde in mitgebrachte Milchkannen gepumpt. Auf sämtliche Flaschen und Glasbehälter z. B. Senfgläser wurde Pfandgeld erhoben.
An bestimmten Wochentagen bestand die Möglichkeit, beim örtlichen Metzger Wengemann Wurstbrühe abzuholen. Das war nichts anderes, als die heiße Salzbrühe, in der die Kochwürste gebrüht wurden. Dabei platzten aber immer einige Würste und verteilten ihren fleischigen und würzigen Inhalt in die Salzbrühe, die uns dann als Grundlage für Suppen und Eintopfgerichte diente. Wir gingen mit unserer Milchkanne zum Metzger und holten dort 1 bis 2 Liter dieses wertvollen Rohstoffes gratis ab.
An jedem Werktag kamen die Kartoffelhändler Ernst Häusler und Nikolaus Gommen mit ihren Pferdewagen in unsere Siedlung gefahren und ließen ihre Glocken bimmeln.
Ich habe immer noch die Stimme von Ernst Häusler im Ohr, der 'Töffel' statt Kartoffeln rief.
Unvergessen sind mir die vielen Tempo-Dreiräder mit allerlei fliegenden Händlern geblieben, die alles mögliche angepriesen haben. Meistens aber Obst und Gemüse verkauften.

Die Stimme von Arthur Hotze habe ich noch im Ohr, denn er rief laut und melodisch stets sein gesamtes Sortiment aus und das umfaßte Äpfel, Apfelsinen, Bananen und Citronen und ging je nach Jahreszeit über Weintrauben und Pfirsiche bis zu den Kartoffeln.
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Typisches Dreirad aus den 50er Jahren

Das lautstarke Ausrufen und Bimmeln machten auch andere Händler, wie der Herr Niedert, bei dem meine Mutter so gern kaufte.
Viele andere Händler tauchten regelmäßig auf und belieferten die Bewohner unserer Siedlung. So z. B. die Pferdekutsche der Firma Jäger-Brot, die wie eine Postkutsche aussah und in deren Innenraum das Brot lagerte. 
Daneben wurde wirklich alles Erdenkliche feil geboten vom Eis bis zum türkischen Honig, von Milch bis zum Sprudel-Heimdienst. 
Besonders interessant war es, wenn Kohlen angeliefert wurden. Dann kam ein Kipper von der Firma Braselmann & Stamm und der kippte die Kohlen einfach auf den Bürgersteig an der Straße und wir mußten dann Eimer voll schaufeln und diese dann durch die Kellerrutsche in unseren Kohlenkeller abkippen...

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