Fidy vonne Ruhr
Bilder und Geschichten
aus dem Ruhrgebiet

Etwas über die Emscher

Was wissen Sie über die Emscher? Lesen Sie bitte, was Fidy dazu erzählt:

WDR-Aufnahmen an der Emscher vom 18.03.10

Fidy vonne Ruhr erzählt etwas über die Emscher und ihre Nebenbäche



Die Emscher-Unterführung Wittekindstraße, DO-Schönau


Die Emscher und ihre "Köttelbäche"


Vorwort:
Wenn man unsere Mitbürger über die wichtigsten Flüsse von Nordrhein-Westfalen befragt, so werden meistens Rhein, Ruhr und Lippe genannt. Die Emscher aber wird häufig vergessen, weil die meisten diesen ehemals stinkenden und zum Abwasserkanal vergewaltigten Fluß einfach aus ihrem Bewußtsein verdrängt haben.
Seit einigen Jahren laufen jedoch Baumaßnahmen, um die Emscher wieder zu einem klaren, renaturierten gewässer werden zu lassen...


Historische Betrachtung:

Ursprünglich war die Emscher ein kleiner, meist ruhiger, romantischer und relativ klarer Fluss, der sich von seiner Quelle in Holzwickede bei Dortmund in stark wechselnden Richtungen (mäandernd) durch das nördliche Ruhrgebiet schlängelte und in Alsum bei Duisburg in den Rhein mündete.

An der Emscher und ihren Nebengewässern befanden sich zahlreiche Mühlen, die durch Wasserkraft betrieben wurden.

Alte Postkartenansicht aus Huckarde
(heute Dortmunder Vorort)  um 1900
(vor der Betonierung)


 
Die Gesamtlänge der Emscher betrug ursprünglich von der Quelle bis zur Mündung 109 km. Durch den umfangreichen Umbau zum Abwasserkanal des Ruhrgebiets und Begradigungen ab 1899 durch die damals neu gegründete Emschergenossenschaft wurde die Gesamtlänge auf etwa 83 km reduziert. Dabei wurde auch die Mündung der Emscher nach Dinslaken verlegt.

Durch die zunehmende Industriealisierung ab etwa 1850 wurde die Emscher immer mehr mit Abwässern aus Bergbau und Stahlindustrie sowie den rasant wachsenden kommunalen Abwässern belastet, was zu häufigen Überschwemmungen und Seuchen im Einzugsgebiet der Emscher führte. Dazu kamen Überflutungen durch vom Bergbau verursachten Bergsenkungen, die unverhofft ganze Landstriche unter Wasser setzten.


Da die einzelnen Kommunen diese Probleme nicht allein lösen konnten, wurde 1899 die Emschergenossenschaft gegründet, die ab diesem Zeitpunkt den ehemals frei fließenden Fluss zu einem offenen Abwasserkanal ausbaute. Dabei wurde begradigt, nivelliert und der Fluss weitgehend in ein v-förmiges Betonbett eingezwängt.


In der Emscher gab es früher reichlich Fische und Flusskrebse. In Huckarde (heute Vorort von Dortmund) fing man 1906 den letzten Karpfen. Nach der Betonierung und der Degradierung zum Abwasserkanal aber wurde der Lebensraum der Fische und Krebse bis in unsere Zeit zerstört.



Zukunft der Emscher
Mit dem Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet ab Ende der 1960er Jahre und insbesondere dem Einzugsgebiet der Emscher hat sich die Gefahr von Bergsenkungen erheblich reduziert und man kann nun ohne Bedenken dazu übergehen, Abwasserkanäle in Rohren unter der Erde zu verlegen.

Ebenso hat sich Abwasseraufkommen durch das Sterben des Bergbaus und der Stahlwerke erheblich reduziert und es entstanden leistungsstarke Klärwerke, welche die Abwässer mechanisch und biologisch so weit aufbereiten können, dass sie gefahrlos in biologisch einwandfreie Fließgewässer eingeleitet werden können.

Unter diesen Gesichtspunkten bot sich eine Re-Natierung der Emscher an und es gibt inzwischen schon gewaltige Fortschritte in dieser Richtung. Einige Nebenflüsse und kleine Abschnitte der Emscher sind bereits renaturiert und plätschern ohne Betonplatten in natürlichen Betten, die wieder von den typischen Pflanzen eines natürlichen Bachlaufes bewachsen werden und in denen sich schon wieder viele tierische Bewohner eingefunden haben.

Der Gedanke an eine natürliche und klare Emscher, in der wieder Fische schwimmen und an deren Ufer schöne Spaziergänge möglich sind, ist ein wundervoller Gedanke, der es verdient, mit aller Kraft unterstützt zu werden. Die Menschen im Revier haben es verdient, denn mehr als hundert Jahre mußten sie Dreck, Gestank und den häßlichen Anblick der betonierten Abwässerkanäle erdulden.

Persönliche Erinnerungen an die Emscher und ihre Nebenbäche:
Ich lernte die Emscher und ihre Nebenbäche im Jahre 1951 kennen, als meine Eltern aus der Eifel nach Dortmund zogen. Damals war ich 7 Jahre alt und kannte die Bäche und Flüsse der Eifel als kristallklare Gewässer in denen es reichlich Fische gab.

Als mir ein Schulkamerad einen Angelhaken zum Tausch anbot, war ich Feuer und Flamme und griff zu. Schnell war der Haken an einer Schnur und einem Stock befestigt und ich machte mich auf zum Roßbach in Wischlingen, wo ich dann von der Brücke aus Fische fangen wollte.

Erst der Spott meiner Kameraden rief mich in die Realität zurück, denn die fetten Brocken, die in diesem stinkenden (Abwasser-) Bach schwammen, waren alles andere als Fische, worauf auch das ebenfalls vorbeischwimmende Klopapier schließen ließ.

Wie gefährlich die Emscher und ihre zufließenden Bäche waren, erfuhr auch mein Vetter Herbert, der beim Versuch des Überspringens auf dem glitschigen V-Ufer aus Beton abrutschte und ein unfreiwilliges Bad in der stinkenden Brühe nahm. Gottlob überlebte er und mußte eine unangenehme Reinigungsprozedur über sich ergehen lassen.


Emscher, das war immer Gestank und etwas Unerfreuliches, das man mied, verschwieg und verdrängte. Allein dieser fiese Geruch, der an eine Mischung von Waschlauge, Bahnhofsklosett und chemische Schmierstoffe erinnerte und der besonders bei Nebel- und Inversionswetter über der gesamten Umgebung wabberte...

Ich habe die Emscher und ihre Bäche nie gemocht und bin entflohen, wann immer ich konnte. Um Ekel zu vermeiden, habe ich selten in den Fluss geschaut und jetzt bin ich froh, wenn sie kommenden Generationen wieder als sauberer Fluss zur Verfügung steht.

Auf eine saubere Emscher mit allen Nebenbächen freut sich ganz bestimmt auch dieser Reiher vom Rüpingsbach, der dort schon seit Jahren sehnsüchtig auf die Rückkehr der Fische wartet...
  






Fotos von der Baumaßnahme
Rüpingsbach (Emscherzufluß)


Die Baumaßnahmen im Zuge der Re-Naturierung der Emscher und ihrer Nebengewässer laufen weiter auf vollen Touren. Die Bilder dieser Seite entstanden am 1. Juni 2010 und wurden am Rüpingsbach an der Menglinghauser Straße in Dortmund-Menglinghausen mit einem Handy gemacht.