Fidy vonne Ruhr
Bilder und Geschichten
aus dem Ruhrgebiet

Das Missverständnis mit
der Dunkelkammer


Das Missverständnis mit der Dunkelkammer 

Kopfschüttelnd sah mich der junge Mann an, als ich erzählte, dass ich in jungen Jahren oft in einer Dunkelkammer mit Rotlicht gewesen bin und hielt mich deshalb wohl für psychisch oder sexuell gestört, 

Doch dann klärte ich das Missverständnis auf. Die Dunkelkammer war nämlich kein fragwürdiges Etablissement, sondern ein Raum, in dem früher Fotos entwickelt wurden und die seit Einführung der digitalen Fotografie nur noch wenigen Foto-Amateuren bekannt ist. 

Die Dunkelkammer war ein verdunkelter Raum mit einer schummerigen, roten Beleuchtung, in dem es immer nach Essig und Chemie gerochen hat. Der Grund für den Geruch waren die 3 Schalen mit Entwickler-Lösung, dem Stoppbad (Essig) und der Fixierlösung sowie einem Wässerungsbecken. Zur Einrichtung gehörten außerdem ein Vergrößerungsgerät , eine Schaltuhr, eine Trockenpresse und einige andere Gerätschaften.  

 

In einem aufwendigen fotochemischen Prozess wurden Bilder und Vergrößerungen angefertigt. Man legte das Negativ in den Vergrößerungsapparat, stellte am  Objektiv Blende und Focus ein, wählte den Bildausschnitt, ermittelte die Belichtungszeit  (manuell oder später mit automatischen Steuergeräten), legte Fotopapier in die Kassette und belichtete das Fotopapier. 

Dann wurde das Fotopapier in das Entwicklerbad gelegt und mit Hilfe einer Zange in der Schale bewegt, bis sich das Bild entwickelte. Dabei kam es darauf an, das Bild im richtigen Moment vom Entwicklerbad in das Stoppbad zu befördern, damit es sich nicht zu schwarz wurde. 

Nach dem Stoppbad kam das Bild in das Fixierbad, in welchem überflüssige Silbersalze aus der Gelantineschicht des Fotos herausgelöst wurden. Anschließend wurden die Fotos gewässert und getrocknet und anschließend zugeschnitten. 

Das alles war sehr aufwändig und viel zeitraubender als die Bearbeitung heutiger Digitalfotos, die mit Hilfe guter Hard- und Software ganz bequem am PC entstehen.  

Interessierten Leuten erzähle ich gern weitere Einzelheiten über die Arbeit in der Dunkelkammer, so wie ich dem jungen Mann erklärt habe, dass eine Dunkelkammer nichts mit einem Dark-Room im Rotlicht-Milieu zu tun hatte.