Fidy vonne Ruhr
Bilder und Geschichten
aus dem Ruhrgebiet

Brieftauben im Ruhrgebiet


Karl Peters im Taubenschlag 1962

Brieftauben im Ruhrgebiet

In den 50er und 60er Jahren gab es im Ruhrgebiet enorm viele Taubenzüchter und Brieftaubenvereine. Auch mein Onkel Karl hatte einen Taubenschlag und sorgte täglich liebevoll für seine 'Kröpper'. Das oben gezeigte alte Foto stammt aus dem Jahre 1962.

Wenn man zum Himmel schaute, sah man öfter einen ganzen Schwarm von Brieftauben, die gerade den heimischen Schlag verlassen hatten und nun ihre Runden über dem Ruhrgebiet flogen. In so einem Schlag waren meistens 10 bis 40 Tauben untergebracht.

Ich weiss noch, wie dieTauben in Transportkisten und Körben am Wochende zur Versendestelle zum Burgheisterkamp in Huckarde gebracht und dort mit einem zusätzlichen Ring versehen wurden. Man bezahlte seinen Wetteinsatz und dann wurden die Tauben mit einem Bus bis nach Dänemark oder Frankreich gebracht, wo man sie schliesslich auf den weiten Heimweg ins Ruhrgebiet schickte.

Für die Taubenbesitzer begann dann das große Warten. Würden die Tiere den weiten Weg zurückfinden? Heil und unversehrt ankommen, oder einem Raubvogel oder schlechtem Wetter zum Opfer fallen?

Ja da das war spannend und viele hatten ein Fernrohr und suchten den Himmel ab. Dann flatterte ein einzelnes Tier heran und andere folgten. Jetzt kam es darauf an, die Tiere schnell im Schlag zu haben, ihnen den besonderen Ring abzunehmen und ihn in die plombierte Uhr zu drehen.

Tja und da gab es Tauben, die wollten gar nicht in den Schlag. Die flogen auf einen Baum oder auf das Nachbarhaus und brachten den Taubenvater in Aufregung. Ich weiss noch wie mein Onkel, dann immer wieder seinen Tauben-Lock-Pfiff flötete und mit dem Futterbecher lockte. Zwischendurch schimpfte er immer wieder um dann weiter zu locken. Wenn nichts mehr half, hörte man den Satz: Wenn Du jetzt nicht kommst, kommst Du in die Suppe!' Ein Nachbar fragte sogar mal, ob er sein Luftgewehr holen solle, damit mein Onkel endlich an den Ring käme...

Ja und wenn er Glück hatte, gewann er auch mal einen Preis. Besonders gute Tauben wurden zur Zucht ausgewählt. Das war sehr interessant und gab unter den Taubenvätern immer enormen Gesprächsstoff.

Weil der Taubensport ein sehr aufwändiges Hobby ist, sieht man in unserer jetzigen Zeit nur noch wenige Brieftauben und eigentlich ist das sehr schade, denn jetzt werden Wildtauben zur Plage in den Großstädten...